Trinkgeld Option von Shopify ist im deutschen Recht so nicht anwendbar?

HenryAuffahrt
Entdecker
20 1 9

Hallo zusammen, 

ich hoffe ihr könnt uns weiterhelfen. Wir möchten bei uns auch von dem neuen Shopify Feature "Trinkgeld" gebrauch machen. Leider mussten wir nun feststellen, dass die Berechnung des Trinkgeldes bei Shopify so im deutschen Recht nicht angewendet werden kann.

Ich bin kein Steuerberater aber ich habe in verschiedenen Quellen die Information gefunden, dass Trinkgeld wenn es direkt an ein Unternehmen gezahlt wird (was bei uns Online Händlern ja der Fall ist), dass auf dieses Trinkgeld dann Umsatzsteuer/MwSt. berechnet werden muss.

Leider ist es bei uns so, dass auf der finalen Rechnung die Trinkgelder nicht mit MwSt. angegeben werden. Wo kann ich Shopify sagen, dass er für die Trinkgeld ebenfalls MwSt. berechnen soll?

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Quellen Trinkgeld versteuern:

 

Ist meine Rechtsauffassung hier falsch? Gibt es eine Änderung bzgl. der aktuellen Corona Situation? Oder habe ich einfach übersehen, dass man die Berechnung der Umsatzsteuer für Trinkgelder irgendwo aktivieren kann?

Vielen Dank schon im Voraus an euch!

29 ANTWORTEN 29
papillon121
Entdecker
21 0 4

Hi Gabe, du wirst in deinen Logs doch nicht sehen können, ob Shopify Inhaber Probleme mit dem Finanzamt hatten oder? Wenn doch, dann wäre es, zumindest aus Datenschutzsicht, nicht erlaubt. Ich bezweifele außerdem, dass du Einblicke in die an das Finanzamt übermittelten Daten hast.

Ich kann dir doch keine Fälle liefern, in denen es Strafen gab, wo soll ich diese Daten herbekommen? Wenn ich Einblick in die Daten der Steuerfahndung hätte, dann wäre ich nicht hier im Forum, sondern beim Bundesnachrichtendienst.

Selbst wenn es wenig Fälle gibt und es oft gut geht... wenn man in ein Geschäft geht und etwas klaut, dann ist es doch auch nicht erlaubt, nur weil man nicht erwischt wurde.

Selbst wenn die Betreiber es in dem Jahresabschluss mit Hilfe des eigenen STB angeben, dann müssen sie das aber auch in den Rechnungen richtig angeben. In jeder einzelnen Kundenrechnung müssen die Beträge stimmen, du kannst das nicht einfach am Ende des Jahres zusammenfassen. Ich weiß wovon ich rede, denn wir müssten mal wegen einem kleinen Fehler jede einzelne Kundenrechnung neu erstellen und sogar dem Kunden neu zustellen.

Ich bin selber kein Fan vom deutschen Steuerrecht, aber es ist eben nun mal sehr komplex und wenn man sich nicht daran hält, dann kann es zu Problemen kommen, ganz klar.

Beispiele kannst du gerne haben, schau dir das hier z.B. mal bitte kurz an:

https://www.ccv.eu/de/trinkgeld-versteuern-wann-ist-trinkgeld-steuerfrei/

Zitat:

"Unternehmen müssen Trinkgeldzahlungen nachweisen. Über eingehende Trinkgelder sollten Sie deshalb unbedingt Buch führen. Insbesondere bei der Betriebsprüfung nimmt das Finanzamt die Einnahmen genau in den Blick. Denn der Finanzverwaltung ist durchaus bekannt, in welchen Branchen es üblich ist, Trinkgeld zu zahlen. Besonders dann, wenn keine Angestellten im Service für Sie tätig sind und Sie keine als Trinkgeld verzeichneten Einnahmen nachweisen können, wird das Finanzamt misstrauisch. Im schlimmsten Fall droht Ihnen der Vorwurf der Steuerhinterziehung."

Oder auch hier

https://www.paymash.com/de/blog/trinkgeld-versteuern

Zitat:

"Sofern Unternehmer direkt Trinkgeld erhalten, z.B. wenn sie selbständig als Friseure, Handwerker, Taxifahrer oder Lieferdienst arbeiten, dann zählt zusätzlich erhaltenes Geld vom Kunden als Einnahme und somit als umsatzsteuerpflichtigen Entgelt und muss ordnungsgemäß aufgezeichnet werden.
Da also nicht alle Trinkgelder steuerfrei sind, achten Betriebsprüfer in trinkgeldreichen Branchen auf die ordnungsgemäße Aufzeichnung und können im Zweifelsfall seit 2018 eine unangekündigte Kassennachschau durchführen."

Schlussendlich noch hier

https://www.papershift.com/blog/trinkgeld-versteuern

Zitat:

"Dieser Fall ist einer der wenigen in denen die Rechtslage ganz klar ist. Für selbstständige Friseure, Handwerker oder Gastronomen gilt die unerfreuliche Wahrheit: Eine Steuerfreiheit für Trinkgeld gibt es nicht, sie müssen in voller Höhe versteuert werden. Umso wichtiger ist es, dass solche Unternehmer ihrer Nachweispflicht für erhaltene Trinkgelder nachkommen. Denn bei einer Betriebsprüfung muss erklärt werden können, woher diese Gelder stammen."

Jeder Anwalt wird dir bestätigen, dass Onlineshops die Trinkgelder beim Finanzamt angeben müssen und die Trinkgelder nicht von der Umsatzsteuer befreit sind.

Gabe
Shopify Staff
5399 934 1280

@papillon121 

Sobald Händler aufgrund eines Problems oder Limitation - verursacht indirekt oder direkt durch die Shopify Plattform (wie z. B. dieses Themas hier) - dann melden die Händler sich bei uns um nach Hilfe zu suchen. Das hat nichts mit Datenschutz zu tun denn die Händler brauchen von uns dann Hilfe in solchen Fällen und schicken uns ein (oder mehrere) Ticket(s).

Sprich, wir bekommen sofort eine Meldung von einem Händler wenn, aufgrund Gründe die mit der Plattform zu tun haben, der Händler mit den Behörden bzgl. jeglicher Thematik, Probleme bekommt, dann wird uns ein Ticket geschickt.

Die Artikel die du verlinkt hast, betreffen alle nur physische Betriebe und Gaststätten aber keine digitale Online Shops. Für das letztere gibt es noch keine konkrete Gesetze, da das ganze noch ein relativ neues Thema und Phänomen ist und noch nicht konkret ins Gesetz geschrieben.

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papillon121
Entdecker
21 0 4

das stimmt einfach nicht.

Siehe

https://www.roedl.de/themen/trinkgeld-versteuern

"Erhalten Arbeitnehmer und Unternehmer von Kunden oder Gästen Trinkgeld, könnte die steuerliche Behandlung nicht unterschiedlicher sein. Beim Arbeitnehmer ist das Trinkgeld unter gewissen Voraussetzungen steuerfrei. Erhält der Unternehmer selbst Trinkgeld, wird die Zahlung stets als Betriebseinnahme berücksichtigt."

https://steuererklaerung.de/ratgeber-steuern/trinkgeld-steuern/

"Steuerfreiheit besteht nur dann, wenn der Empfänger Angestellter ist. Unternehmer profitieren leider nicht davon. Vielmehr müssen sie erhaltene Trinkgelder als Betriebseinnahmen verzeichnen. Wer also selbstständig tätig ist, kann keine steuerfreien Trinkgelder entgegen nehmen."

Es kommt darauf an, ob du Unternehmer bist, oder nicht. Nicht, ob du Online verkaufst, Unternehmer ist Unternehmer, egal ob Online oder nicht.

Gabe
Shopify Staff
5399 934 1280

@papillon121 

Danke für die Links und Kontexte. Ich habe das weitergereicht aber es sieht so aus als wäre das ganze noch in Entwicklung mit dem deutschen Gesetz.

Diese Artikel beziehen sich, wie gesagt, NICHT auf Online Shops. Mache eine CTRL&F Suche nach dem Wort "Online" in beide Artikel und Ergebnisse = 0.

Unsere Rechtsabteilung ist diesbzgl. aber schon informiert und es wird an einer Lösung gefeilt. Die vorläufige Lösung wird, wie gesagt, betont: das mit dem dem eigenen STB zu besprechen.

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papillon121
Entdecker
21 0 4

Das ist jetzt nicht dein ernst? Im Gesetz steht das Unternehmer Steuern auf Trinkgelder zahlen müssen und jetzt sagst du, dass zählt nicht Online?

Die Lösung die du vorschlägst ist strafbar, denn die Umsatzsteuer der Trinkgelder muss in den Kundenrechnungen aufgeführt werden, sollten das jetzt Betreiber, aufgrund des Lösungsvorschlages hier machen, machen sie sich strafbar nach dem deutschen Steuerrecht.

Wieso gibt es denn bei Shopify niemanden an den man sich wenden kann? Hast du irgendeine Kontaktadresse für mich, wo sich jemand bei Shopify um rechtliche Fragen kümmert?

Gabe
Shopify Staff
5399 934 1280

Du sagst: "die Umsatzsteuer der Trinkgelder muss in den Kundenrechnungen aufgeführt werden". Ich war sogar vorgestern in einem Restaurant und habe Trinkgeld hinterlassen. Auf der Quittung war die Umsatzsteuer wie gehabt aufgeführt - aber keine Umsatzsteuer für das Trinkgeld.

Und ganz genau, das Gesetz zu Trinkgelder in einem Online Shop ist noch nicht festgelegt. Technisch gesehen, kann das derzeit in einem Online Shop als "Spende/Donation" kategorisiert werden da Trinkgeld traditionell an einen Mitarbeiter einer Gaststätte (sprich, Tischbedienung) geht. Das ist in einem Online Shop ganz anders.

Unsere Rechtsabteilung kannst du, wie gesagt, gerne anschreiben: legal@shopify.com

VG,

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papillon121
Entdecker
21 0 4

Bitte les dazu noch mal die Beiträge oben und auch die verlinkten Seiten durch.

Natürlich ist es in einem Restaurant nicht aufgeführt, dort sind die Trinkgelder ja auch nicht steuerpflichtig.

Wir kommen aber so nicht weiter, denn du scheinst nicht zu verstehen, dass die Trinkgelder in einem Onlineshop steuerpflichtig sind.

Wir machen es jetzt so, ich schreibe an die Emailadresse und werde mich zurückmelden, was mir die Shopify Experten dazu gesagt haben. Ich kann mir die Antwort zwar schon denken, aber wenigstens glaubst auch du mir dann, dass Trinkgeldeinnahmen aus einem Onlineshop steuerpflichtig sind und es NICHT reicht diese in irgendeiner Abschlussrechnung auszugeben, sondern diese in jeder einzelnen Kundenrechnung kenntlich gemacht werden müssen.

Ich finde es zwar nicht gut, dass du mir nicht glaubst, aber da wir hier ja auch nicht in einem Forum für deutsche Rechtsprechung sind, bin ich dir auch nicht böse.

Es ist nur ärgerlich, dass sich dieses Thema über Monate hinzieht und keiner von Shopify wirklich mal Stellung dazu nimmt. Ich bin ja nicht der einzige, den es interessiert, obwohl ich mir manchmal so vorkomme. Ich gebe aber nicht auf, bis ich eine korrekte und rechtsverbindliche Antwort bekomme.

Gabe
Shopify Staff
5399 934 1280

Ich weiss es ist ein Problem und ich pushe das gerade mit den Entwickler also wird sich hoffentlich bald etwas ergeben (habe auch deine Links weitergeleitet - danke für die Recherche).

Dann wäre ich sehr daran interessiert was unsere Legal Abteilung dir zurückschreibt. Wenn du das hier melden könntest was sie dir antworten, wäre ich sehr dankbar.

Es ist ein Problem, da sind wir beide komplett einverstanden. Nur dass alle Shopify Händler die das Trinkgeld Feature aktiviert haben, jetzt alle sich strafbar machen, da bin ich noch etwas "zwischen den Stühlen stehend". Aber lass uns zusammen richtig Druck machen. Zusammen schaffen wir das!

Gabe | Social Care @ Shopify
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papillon121
Entdecker
21 0 4

@Gabe 

Ich bin fest davon überzeugt, dass sich alle Shopify Händler, die momentan die Trinkgeldfunktion von Shopify nutzen, der Steuerhinterziehung strafbar machen. Außer sie ändern manuell jede einzelne Kundenrechnung und das macht, wenn man ehrlich ist, niemand.

Aber wie gesagt, ich erwarte nicht von dir, dass du mir hier alles rechtlich genau erklärst. Ich bin kein Anwalt, du auch nicht.

Wir brauchen jetzt eine rechtsverbindliche Erklärung von jemanden bei Shopify, der wirklich dafür zuständig ist.

Ich Danke dir jedenfalls trotzdem für deine Antworten und das du stehts nett geblieben bist, andere hätten sich nicht mal die Mühe gemacht und ich hoffe, dass wir bald eine Antwort dazu haben.

Gabe
Shopify Staff
5399 934 1280

Das werden wir hinkriegen!

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